GermanBowl XXXI – in der Commerzbank Arena Frankfurt
Regeln
Eigentlich ist alles ganz einfach...
Da läuft dem
Betrachter schon vor dem Spiel ein Schauer über den Rücken: laute, und meistens
äußerst martialische Musik kündigt das an, was vorher bei der Pre-Game-Power-Party
für genügend Vorfreude sorgt: zweimal 50 Spieler betreten oder rennen unter
Zuckungen und Imponiergehabe das Spielfeld. Wir sind (mit Sicherheit) beim
American Football!
Das Grundprinzip
vom American Football ist es, Raumgewinn zu erzielen und diesen mit Punkten abzuschließen.Sieger ist das Team mit den meisten erzielten Punkten. Nach dem Anstoß
(Kickoff), schickt die Mannschaft, die im Ballbesitz ist, ihr Angriffsteam
(Offense) auf das Spielfeld. Die Offense hat vier Versuche (Downs), um
mindestens zehn Meter Raum zu gewinnen. Schafft sie das, bekommt sie einen
First Down (vier neue Versuche, usw.). Schafft sie das nicht, weil das
gegnerische Verteidigungsteam (Defense) seinen Job gut gemacht hat, muss sie
den Ball an den Gegner abgeben, d.h. durch einen Punt weit in die gegnerische
Hälfte schießen - die Rollen werden getauscht, und die Mannschaft, die vorher
ihre Defense zum unerbittlichen Kampf herausgeschickt hat, bringt ihre Offense
aufs Feld.
Punkt für
Punkt
Sollte die Offense
im Laufe des Spiels die die Ziellinie (Goalline) erreichen, dann ist das ein
Touchdown - und dafür wird das Team mit sechs Punkten belohnt. Zusätzlich dazu
erhält die Mannschaft eine weitere Chance, noch mehr Punkte einzuheimsen:
Entweder versucht sie, den Ball durch die Vertikalstäbe des Tores zu schießen
(Extrapunkt), was ihr einen weiteren Punkt bringen würde, oder sie setzt alles
daran, den Ball noch einmal in die Endzone zu tragen oder zu werfen. Letzteres
würde der Mannschaft zwei weitere Punkte (Conversion) einheimsen.
Wenn ein Team keine
Chance mehr sieht, mit ihren zur Verfügung stehenden Versuchen einen Touchdown
zu erzielen oder vier weitere Versuche zu erlangen, muss es nicht gleich
verzweifelt in das Stadiongras beißen. Es hat nämlich noch Alternativen. So
bietet sich in solch einer verzwickten Lage ein Field-Goal-Versuch an: Ein
treffsicherer Schuss durch die Vertikalstäbe des Tores (Goalposts), und schon
freut sich die versammelte Mannschaft über drei Punkte mehr. Ein letzter
Rettungsanker für das gefrustete Team ist dagegen der Punt. Der Punt ist ein
Kick aus der Luft, der weit in die gegnerische Feldhälfte führen soll - wenn
der Ball schon abgegeben werden muss, dann soll der Gegner wenigstens ziemlich
dicht an seiner eigenen Endzone anfangen.
Das
Wesentliche
Und so läuft ein
Football-Match ab: Die Offense versucht Raumgewinn zu erzielen, und die Defense
versucht gerade das zu verhindern. Aber: Wenn der Defense das Abfangen eines
gegnerischen Passes (Interception) gelingt, kann sie auch sofort versuchen, mit
dem Ball loszurennen, Raum zu gewinnen und einen Touchdown zu erzielen. Und
dann gibt es den Safety: Wird der gegnerische Ballträger in seiner eigenen
Endzone zu Fall gebracht, gibt es zwei Punkte für die Defense.
Und wie lang geht
der Kampf um Raumgewinn, Touchdown und Sieg? In der GFL German Football Leage
beträgt die Spielzeit vier Viertel (Quarter) á zwölf Minuten. Doch ein Match
dauert länger als 48 Minuten: Die Spielzeit wird nämlich immer dann angehalten,
wenn ein Spielzug zu Ende ist - sprich: wenn der Ball tragende Spieler gestoppt
wird, wenn ein neues First Down erzielt wurde und die Kette (Chain) neu hingestellt
wird, wenn gepunktet oder ungültig geworfen wird, oder wenn der Ballträger aus
dem Spielfeld rennt. Die Zeit bis zum nächsten Spielzug nutzen beide
Mannschaften, um ihre Strategie abzusprechen (Huddle). Ein Spiel kann sich also
bis zu zwei einhalb oder drei Stunden hinziehen!!
Alles, was
verboten ist
Und während dieser
Spielzeit beschleicht den unerfahrenen Zuschauer ein eigenartiges Gefühl: Ist
beim American Football wirklich alles erlaubt? Dürfen sich die Spieler boxen,
treten und kratzen? Dürfen sich die Footballer gegenseitig so verletzen, dass
sie danach wochenlang im Krankenhaus liegen? Natürlich nicht, denn es gibt sehr
viele Foulregeln. Also: Was ist verboten?
Gegner dürfen nicht
geschlagen und getreten werden. Das schützende Helmgitter (Facemask) ist ebenfalls
tabu: Dort darf niemand hineingreifen. Auch sollte den Konkurrenten kein Bein
gestellt werden - das ist nicht nur unsportlich und tut fürchterlich weh,
sondern wird auch gleichzeitig als Foul angesehen. Gegner dürfen nie in den Rücken
blocken. Und auch das Behindern beim Fangen eines Passes (Pass Interference)
sieht der Schiedsrichter gar nicht gern. Wenn die Spieler den gegnerischen
Quarterback oder den Kicker angreifen, obwohl diese den Ball bereits abgegeben
haben, wird das ebenfalls als Foul deklariert
Strafe
muss sein
Für all diese
Vergehen wird nicht der einzelne Spieler bestraft, sondern gleich das gesamte
Team, damit alle etwas davon haben. Ist ja schließlich ein Teamsport! Denn das
Team muss bei unerlaubten Attacken einen Raumverlust von bis zu 15 Metern
hinnehmen. Strafen mehrerer Fouls werden einfach addiert.
Neben den
gewalttätigen Fouls gibt es auch technische Missgeschicke, die geahndet werden.
Ein False Start liegt vor, wenn sich ein Offense-Spieler zu früh bewegt. Und
zuckt auf der Defense-Seite ein Spieler zu früh, ist das ein Offside. Wenn die
Offense herumtrödelt und den Ball nicht schnell genug ins Spiel bringt, dann
ist das ein Delay of Game - eine unberechtigte Spielverzögerung (Immerhin 25
Sekunden stehen der Offense für ihren so genannten Huddle zu Verfügung). In der
Regel werden solche technische Aussetzer mit fünf Metern Raumverlust bestraft.
Der
wichtigste Mann ist der Quarterback
Nun kann es endlich
losgehen, die wichtigsten Regeln sind geklärt ... aber welcher Spieler macht
jetzt eigentlich was? Im Folgenden die Spieler, die in der Offense sehr wichtig
sind:
Der Quarterback hat
die Aufgabe, Bälle mittels Pass oder Übergabe (Handoff) an die Ballträger zu
verteilen. Doch er kann auch selbst laufen, er hat also die Option zur Not oder
geplant selbst Raumgewinn zu erzielen.
Ein Ballempfänger
(Receiver) muss fangsicher und schnell sein. Er steht an den Außenseiten der Linien
und nimmt die Pässe des Quarterbacks entgegen.
Die Hauptaufgabe
eines Ballträger (Runningback) ist es, das Leder bei Laufspielzügen möglichst
weit durch die gegnerische Defense zu tragen. Nichtsdestotrotz darf ein
Runningback aber auch Pässe fangen.
Der einzige
Spieler, der bei jedem Spielzug Ballkontakt hat, ist der Center. Er gibt den
Ball durch die Beine nach hinten (Snap) zum Quarterback, wenn dieser das
Kommando zum Start gibt.
Center, Guards und
Tackles machen den Weg frei - sie blocken eine Schneise in die gegnerische Defense.
Und wie sieht es
mit der Defense aus? Da sind zum einen die Tackles und die Ends. Diese sollen
die Runningbacks aufhalten und damit Läufe so früh wie möglich stoppen. Eine
weitere Aufgabe ist es, bei Passspielzügen den Quarterback zu attackieren und
ihn so beim Passen zu behindern.
Die Linebacker sind
die Taktiker: Sie sollen hauptsächlich erkennen, welchen vertrackten Spielzug
der Gegner gerade vorhat, und diesen möglichst schnell verhindern. Der
Middle-Linebacker gilt als der Quarterback der Defense
Die Receiver werden
durch die Cornerbacks gedeckt. Sie versuchen nicht nur den Empfang des Passes
zu verhindern, sondern wollen möglichst den geworfenen Ball abfangen und in die
gegnerische Hälfte zurücktragen. Der Mann der letzten Sekunde ist der Safety.
Wenn es hart auf hart kommt, soll er jeden Ballträger stoppen, der bis zu ihm
in die hinteren Reihen der Defense durchgedrungen ist.
Doch nun der
Kick-Off - das Spiel beginnt. Und immer daran denken: Der Ball muss nicht rund
sein, und ein Spiel dauert auch nicht 90 Minuten.
Ach ja: alle
Begriffe sind aus dem Amerikanischen übernommen, die spielen diese Sportart
seit 1872 und wie klingt das auf Deutsch: Viertelrück (Quarterback)
